Beitragsarchiv

 

Im Beitragsarchiv finden Sie interessante Beiträge zu diversen Rechtsthemen. Bitte berücksichtigen Sie, dass einige Beiträge durch zwischenzeitliche Gesetzes- und/oder Rechtsprechungsänderungen überholt sein können. Die Beiträge stellen auch keine Rechtsberatung dar. Für die Richtigkeit der hier dargestellten Rechtsauffassungen wird im Übrigen keine Haftung übernommen. Für eine Beratung im Einzelfall stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.


 


Zurück zur Übersicht

03.03.2013

Verkehrssicherungspflichten bezüglich eines Basketballkorbs

Nach einem Urteil des OLG Hamm aus dem Jahre 2003 (OLG Hamm NJW-RR 2003, 1183) ist der Eigentümer einer einer Sporthalle verpflichtet, die Sicherheit des Basketballkorbs laufend zu kontrollieren und Maßnahmen dagegen zu treffen, dass der Korb abbricht, wenn sich ein Spieler daran hängt.

Im konkreten Fall hatte sich ein 14-jähriger Spieler dabei am Kopf verletzt weil der Korb abbrach, als er sich daran hängte. Nachdem das erstinstanzlich zuständige Landgericht eine Haftung des Eigentümers mit der Begründung verneint hatte, dass ungeachtet der Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht, den Spieler jedenfalls ein erhebliches Mitverschulden am Abbrechen des Korbs traf, hatte die Berufung gegen das Urteil teilweise Erfolg.

Das OLG sah es insoweit als erwiesen an, dass der Eigentümer der Korbanlage seine Verkehrssicherungspflichten verletzt hat, indem er den Spielbetrieb mit den Körben zuließ, ohne Vorkehrungen gegen Unfälle beim Anhängen zu treffen. Das OLG ließ auch den Einwand des Eigentümers nicht gelten, dass dieser die Korbanlage von einer Fachfirma erworben hatte, die diese auch regelmäßig prüfte, zumal die Korbanlage auch nicht den höchsten Qualitätsanforderungen genügte.

Auch der Umstand, dass eine Abbruchgefahr praktisch nur beim Anhängen an den Korb bestanden hatte, könne den Eigentümer nicht von seiner Sicherungspflicht befreien. Selbst wenn man dieses Anhängen im Zuge eines “Dunking” als mißbräuchlich ansehen würde, schließe das eine Verkehrssicherungspflicht nicht aus, da diese auch solche Gefahren erfasse, “[...] die aus unbefugtem und missbräuchlichem Verhalten entstehen, wenn die Gefahr zweckwidriger und dadurch unfallträchtiger Benutzung groß ist und dem Sicherungspflichtigen Vorkehrungen gegen die missbräuchliche Nutzung möglich und zumutbar sind [...]” (vgl. BGH, NJW 1980, 1745; BGH, VersR 1975, 87; OLG Celle, VersR 1984, 46). Im vorliegenden Fall sei die Gefahr eines unfallträchtigen Anhängens vor dem Hintergrund eines nahezu in jedem Basketballspiel praktizierten Spielzugs des “Dunking” unübersehbar groß gewesen. Es wäre dem Eigentümer daher ohne größeren Aufwand möglich und auch zumutbar gewesen, vor den Folgen eines gedankenlosen Anhängens an den Korb deutlich zu warnen.

Auf der anderen Seite sah das OlG aber auch ein Mitverschulden des verletzten Jugendlichen als gegeben an. “Als zum Zeitpunkt des Unfalls 14-jähriger Jugendlicher konnte er erkennen, dass das Festhalten an der Basketballkorbaufhängung die Gefahr eines Zusammenbruchs des Gestells barg, welche mit dem Körpergewicht des Spielers und der Dauer des Anhängens stieg. Wenn er auch mangels gegenteiliger Hinweise wegen der weiten Verbreitung eines derartigen Spielverhaltens nicht sicher wissen mochte, dass das Gestell seiner Belastung nicht standhalten werde, so durfte er auf der anderen Seite auch nicht ohne weiteres auf die Sicherheit der Konstruktion vertrauen. Wenn er sich ohne sichere Kenntnis von der Standfestigkeit des Gestells mit seinem ganzen Körpergewicht an den Korb angehängt hat, hat er gegen die ihm im eigenen Interesse zur Schadensverhütung obliegende Eigensorgfalt verstoßen.”

Bei der Abwägung der Verursachungsbeiträge wog das OLG ab, dass sich das Anhängen “gerade durch den Spielern der National Basketball Association (NBA) nacheifernden Jugendlichen geradezu aufdrängen musste und ihr entsprechende Warnmaßnahmen ohne großen Aufwand möglich gewesen wären.” Zulasten des zum Unfallzeitpunkt 14-jährigen Jugendlichen schlug sich auch sein für sein Alter erhebliches Körpergewicht von bereits 85 Kg nieder und sprach im Ergebnis ein hälftiges Schmerzendgeld in Höhe von 375 EUR zu.

Fazit:

Das Urteil unterstreicht den im Volksmund bekannten Grundsatz “Eigentum verpflichtet”, wonach auch im Falle eines Mißbrauchs seitens Dritter den Eigentümer ein Mitverschulden treffen kann, wenn er nicht ausdrücklich auf die von seinem Eigentum ausgehenden Gefahren hinweist.

Das Urteil überrascht m.E. aber gerade wegen der richterlichen Annahme, dass in einem Spiel zwischen 14-jährigen regelmäßig auch ein Dunking zu erwarten ist. Ein 14-jähriger, der bereits 85 Kg auf die Waage bringt und darüber hinaus schon im Spiel dunken kann, dürfte wohl eher die Ausnahme bilden (Wieso spielt der eigentlich nicht bei BBS?).

RA Boris Barzantny



Zurück zur Übersicht


 
Karte
Anrufen
Email
Info