Beitragsarchiv

 

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01.01.2013

Körperverlezungen im Sport – Wer haftet?

(vgl. OLG Saarbrüchen Urteil vom 02.08.2010 – 5 U 492/09)

Im Rahmen sportlicher Aktivitäten kommt es, gerade im Mannschaftssport, fast zwangsläufig zu „unerwünschten“ Körperkontakten der Spieler untereinander, die dann nicht unbedingt selten in schwerere Verletzungen bei den Beteiligten münden können.

Zumeist werden Sportunfälle vom Verletzten als „unglücklicher Schicksalsstreich“ akzeptiert.

Wie aber sieht es rechtlich aus, wenn der Verletzte dann ggf. doch Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüche geltend machen will?

Eine entsprechende Frage hatte zuletzt im August 2010 auch das Oberlandesgericht Saarbrücken zu entscheiden:

Dort ging es um die Klage eines Fußballspielers einer „Altherren-Amateurmannschaft“, der sich durch die wohl ziemlich rüde Attacke eines Gegenspielers im Strafraum (sog. „hineingrätschen“) mittlere Verletzungen (u.a. Thoraxprellung) zugezogen hatte und nunmehr Schmerzensgeld und einen Verdienstausfall erstattet haben wollte.

Das OLG wies die Klage des Fußballspielers unter Bezugnahme auf die ständige BGH-Rechtsprechung zurück. Zur Begründung wurde sinngemäß ausgeführt, dass es dem Kläger nicht gelungen sei, eine Haftungspflicht des Beklagten zu begründen.

Demnach soll hinsichtlich der zugefügten Verletzungen zwar grundsätzlich der deliktische Anspruch des § 823 BGB als Haftungsgrundlage in Betracht kommen, jedoch sei bei der Frage des Verschuldens dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Teilnehmer einvernehmlich und mit körperlichem Einsatz ein Kampfspiel gegeneinander austragen würden, das selbst bei Einhaltung der Regeln ein Verletzungsrisiko berge. Jedem Teilnehmer einer Sportart, bei der die Rollen des Angreifers und des Verteidigers ständig wechseln, könne unterstellt werden, dass er insoweit ein Interesse an der Begrenzung seines jeweiligen Haftungsrisikos habe. Folglich müsse eine Haftung für solche Verletzungen ausgeschlossen sein, die sich ein Spieler bei regelgerechtem und dem Fairnessgebot entsprechenden Einsatz seines Gegners zuziehe. Dies nähmen alle in Kauf, die sich freiwillig den Spielregeln unterwerfen würden. Daher sei die Darlegung eines Regelverstoßes auch stets Grundvoraussetzung für die Annahme eines Schadensersatzanspruchs.

Daneben sei auch zu berücksichtigen dass die Teilnahme an einem Kampspiel den Teilnehmern ein hohes Maß an körperlichen und geistigen Geschick, Kraft, Schnelligkeit etc. abverlange. Oftmals führe daneben die Hektik des Spielgeschehens dazu, dass im Bruchteil einer Sekunde Chancen und Risiken abgeschätzt und gegebenenfalls mit entsprechender Härte durchgesetzt werden müssten. Dass dabei eine erhöhte Gefahr von Fehleinschätzungen und damit verbundenen Regelverstößen bestehe liege auf der Hand. Würde hier stets nach § 823 BGB gehaftet, wäre die Teilnahme an einem Wettkampfsport mit einem vernünftigerweise nicht mehr hinnehmbaren Haftungsrisiko verbunden.

Daher kommt eine Haftung bei Sportunfällen nur dann in Betracht, wenn ein vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden kann, was wohl eher für Tätlichkeiten, die außerhalb des normalen Spielgeschehens liegen, oder offensichtlich nur zur Verletzung des Gegenspielers begangenen Fouls, zutreffend sein dürfte. Leichte und mittlere Fahrlässigkeit, also z.B. reine Ungeschicklichkeiten oder ggf. im Kampfeseifer etwas überzogene Attacken, sind daher ausgeschlossen. Natürlich ist den Besonderheiten des jeweiligen Wettkampfsports Rechnung zu tragen. Als Anhaltspunkt gelten auch hier die entsprechenden Regelwerke. Insoweit könnte daher wohl im konkreten Fall auch zwischen dem Fußball als körperbetonte Sportart und z.B. dem Basketball als eher körperloses Spiel zu differenzieren sein. Für den Fall der Verletzung eines Basketballspielers, der bei einem Sprungwurf gefoult wurde und sich beim Sturz einen Achillessehnenriss zuzog hat dies der BGH in einem deutlich älteren Urteil im Ergebnis wie das OLG entschieden (vgl. BGH Urteil vom 16.03.1976 – VI ZR 199/74). Dort wurde zwar die interessante Frage offengelassen, ob Basketball als eigentlich körperloses Spiel gegenüber dem körperbetontem Fußball einer anderen haftungsrechtliche Behandlung bedarf; jedenfalls wurde klargestellt, dass auch der Basketballsport nicht gänzlich körperlos durchzuführen und folgerichtig auch als Kampfspiel zu behandeln sei. Ein normales Foulspiel führe daher, entsprechend den vorgenannten Kriterien, noch nicht ohne weiteres zu einer Haftung.



RA Boris Barzantny



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